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Ich und mein „Ultramarathon del Gran Sasso“

Laufbericht vom Ultramarathon in Santo Stefano di Sessanio (AQ)

Hier nun meinen Erfahrungsbericht zu meiner ersten Teilnahme am Ultramarathon in Abruzzen, dem Ultramarathon del Gran Sasso, der am 30. Juli 2017 stattfand.Schon lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt, auch mal eine längere Strecke, als die klassische Marathon- Distanz zu laufen. Uns so kam es, dass ich am Sonntag, dem 30. Juli 2017 meinen ersten Ultramarathon über 50 km lief. Den Ultramarathon del Gran Sasso in Santo Stefano di Sessanio (AQ). Es sollte mein zweiter Höhepunkt in der Saison 2017 sein.Meine Vorbereitungszeit betrug ca. 3 Monate, wobei ich auf meine Marathon-Erfahrungen aufbauen konnte. Im Wesentlichen verlängerte ich meine Lauftrainingsumfänge auf bis zu 75 km/Woche und lief zwei Trainingsmarathons mit gesteigerter Intensität, um mich auf den Ultramarathon vorzubereiten. Zu den relativ langen Laufeinheiten streute ich immer wieder kurze bis mittellange harte Intervallläufe ein und spielte auch immer wieder mit meiner Laufgeschwindigkeit. Wie sich später zeigen sollte, brachten diese Trainingseinheiten auch den meisten Effekt.

Von der Stadt in die Berge, der grosse Tag

Es ist 4.30 Uhr morgens in Pescara. Mein Wecker hat gerade geklingelt und nur 4 Stunden später würde ich am Start stehen für die 52km.

Mein erster Gedanke: „Warum tust du dir das alles an?“

Mehr oder weniger freiwillig schluckte ich mein Läuferfrühstück: Zwieback mit Honig und warmen Tee herunter…
Eine Nacht fast ohne Schlaf (die Aufregung war/ist so gross), ich bin müde. Da ich alle Sachen am Abend zuvor bereitgelegt habe, musste ich mich nur noch anziehen, verpflastern und „abschmieren“. Dann kam der Augenblick und meine „Let’s Run for solidarity“ Truppe wartet auf mich. Zusammen gehen wir zum Start. Um 7:00 Uhr sind wir im Startbereich angekommen, meine Startunterlagen wurden im Zielbereich an der Piazezza abgeholt. Organisatorisch lief alles perfekt. Kein langes Warten und die Leute waren super nett. Langsam wird meine Nervosität grösser. Die Let’s Run for solidarity Truppe verabschiedet sich vorläufig bei mir, um zum ersten vereinbarten Treffpunkt in Campo Imperatore (ca. bei km 28) vorzulaufen. Ich stelle mich also in meine Startgruppe. Als Erststarter natürlich in die letzte Reihe mit meiner Cousine „Fiorenza“.Kurzes Aufwärmjoggen und Dehnen, dann war es da, ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend. Dann ist es so weit – 3 – 2 – 1 – LOS…Pünktlich um 08.45 Uhr wurde der Lauf eröffnet. 471 Läufer begeben sich auf die 50 km lange Strecke.


Drei Minuten später bin ich dann auch schon über die Startlinie gelaufen und ab in Richtung Calascio. Um die Zeit sind natürlich noch wenig Zuschauer am Straßenrand, aber die, die dort sind feuerten schon kräftig an. Ich finde recht schnell nach dem Einlaufen meine Geschwindigkeit (bloß nicht zu schnell werden vor Aufregung und Motivation) und genieße die Morgendämmerung und das Geschehen an der Strecke. 1 Std. und 45 Minuten später sehe ich Castelvecchio Calvisio.
Ich fühle mich gut und das Wetter an diesem Tag scheint optimal zu werden: leichter Wind, aber bereits um diese Zeit ca. 28 Grad.Entlang der Superstrada SP8 geht es nun durch Castel del Monte, es stehen immer mehr Menschen am Rand und feuern kräftig an. Ich selber bin gespannt, ob und wann die Läufermauer mich treffen wird.

Da ich weiß, welche Steigungen und Gefälle ich noch auf der Strecke zu erwarten habe, entscheide ich mich dazu rechtzeitig zwischendurch zu gehen.Weil ich immer wieder auch in die Gegend schaue, laufe ich dann fast ein km-Schild (ich glaube es war km 22 – es geht ihm aber mittlerweile wieder gut!) um. An der ersten Steigung kurz hinter dem Ort Campo Imperatore zum „Gran Sasso“ geht es als „Walker“ den Berg hoch. Nach der nächsten Linkskurve, kurz bevor man diesen genialen Blick auf Mount Gran Sasso wirft, geht es weiter bergauf. An jeder Verpflegungsstelle trinke ich mindestens einen Becher, meisten aber zwei Wasser ,dass das herausgeschwitzte Salz ersetzt, dazu freue ich mich über Cola, denn feste Nahrung will mein Magen heute nicht akzeptieren. Und dann kommt der Anstieg.

2 km geht es steil bergauf und insbesondere der letzte km hat es in sich…dafür wird man mit der „geilsten Aussicht“ überhaupt auf den Campo Imperatore belohnt. Ich stelle dann auch mittlerweile fest, dass nicht die Anstiege das mörderische der Strecke sind, sondern die Gefälle. Und nicht das die Straßen nur nach vorne geneigt sind, nein, auch noch zur Seite und man hat ab und an das Gefühl ein kürzeres Bein zu haben. Da das schwerste Stück noch zwischen km 42 und 47 vor mir liegt (zum Constantia Nek über 3km steil bergauf und wieder runter am Santo Stefano si Sessanio) spare ich meine Kräfte und lege wieder einige Gehminuten ein.

Ein solcher Ultralauf ist ungeheuer intensiv,
eine immense körperliche, aber auch mentale Anstrengung.
Du merkst im Laufe des Ultratrails vielleicht irgendwann,
dass Du hier nicht gegen andere angetreten bist,
sondern zum Kampf mit Dir selbst
. (Andrea Low)

Meine Marathonzeit stoppe ich bei 4 Std. 34 min. Das Wetter spielt auch immer noch bestens mit. Leicht bewölkt und vielleicht so 32 Grad. Noch schnell ein paar Stück Wassermelonen in den Mund und dann kommt der Anstieg zum Constantia Nek…
3 km anspruchsvolle Steigung (ich meine so ca. 6%) auf einer kurvenreichen Straße und oben steht mein Cousin und feuert kräftig an…das gibt noch mal richtig Kraft und noch mehr Gänsehaut. Mittlerweile ist mir auch klar, dass ich diesen Lauf wirklich schaffen werde, obwohl noch 10 km vor mir liegen.Die Superstrada SP8 geht bis Santo Stefano di Sessanio…

Laufen im Gelände ist wichtig
um die Beweglichkeit und Flexibilität aufzubauen
nicht nur körperlich sondern auch im Kopf

Nun geht es mit kleineren Anstiegen zwischendurch immer weiter bergab, am Haupteingang des Santo Stefano di Sessanio vorbei…noch 1 km…kaum zu glauben. Beinahe hätte ich es sogar unter 6 Stunden gepackt…obwohl mir Zeit als Ziel bei den Läufen nie wichtig ist – Hauptsache ankommen! Dann die letzte Kurve und ab geht es zum Zieleinlauf auf den Residenza la Torre. Die Leute stehen so dicht beieinander und feuern alle bis zum letzten an.
Das motiviert noch mal so richtig und egal wie langsam man vorher gegangen oder gestolpert ist, jetzt wird noch die letzte Energie frei gesetzt und man spurtet auf der Zielgeraden zum Endpunkt des Ultramarathon del Gran Sasso

Im Grunde ist doch das ganze Leben ein Ultratrail,
und zwar durchaus einer mit einem ziemlich
ausgeprägten Höhenprofil
(Andrea Low)

Gianni

 

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